Weiterentwicklung der IV (WEIV)

Am 01.01.2022 tritt die «Weiterentwicklung der IV» in Kraft. Damit wird die Eingliederung verstärkt und das System der IV verbessert. Im Zentrum steht die gezieltere Unterstützung von Jugendlichen beim Übergang ins Erwerbsleben und die Ausweitung der Beratung und Begleitung von Personen mit psychischen Beeinträchtigungen. Eine engere Begleitung von gesundheitlich beeinträchtigten Kindern und Familien, die Überarbeitung der Liste der Geburtsgebrechen, die Einführung eines stufenlosen Rentensystems und die Verbesserung der Qualität und Transparenz bei der Durchführung von Gutachten sind weitere wichtige Anpassungen.

Kinder mit gesundheitlichen Einschränkungen

Die neuen Bestimmungen ermöglichen es der IV, die Eingliederung zu fördern:

  • Bessere Koordination der medizinischen Behandlungen mit anderen Leistungen,
  • Verstärkung der Beratung und Begleitung von Kindern und ihren Familien und
  • noch engere Zusammenarbeit mit der behandelnden Ärzteschaft.
  • Die Liste der anerkannten Geburtsgebrechen wurde überarbeitet.

Jugendliche und junge Erwachsene besser unterstützen

Junge Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen brauchen beim Übergang von der obligatorischen Schule in die erstmalige berufliche Ausbildung individuelle und gezielte Unterstützung.

  • Ausweitung folgender Leistungen: Beratung und Begleitung, Früherfassung und Frühintervention sowie Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die erstmalige berufliche Ausbildung
  • Unterstützung bei der Berufswahl durch die Durchführung vorbereitender Massnahmen, um mögliche Ausbildungswege in der Praxis zu überprüfen
  • gezielte Vorbereitung auf die erstmalige Ausbildung, wenn die Berufswahl getroffen ist
  • Verlängerung des Anspruchs auf medizinische Massnahmen bis zur Beendigung der beruflichen Massnahmen, spätestens jedoch bis zum vollendeten 25. Altersjahr
  • Unter gewissen Umständen Anspruch auf ein Taggeld (Betrag wie ordentlicher Ausbildungslohn)
  • Erstmalige berufliche Ausbildung so weit wie möglich im ersten Arbeitsmarkt
  • Beratung und Begleitung während des gesamten Prozesses sowie bis zu drei Jahre nach Beendigung der letzten Massnahme
  • Stärkere Zusammenarbeit mit den kantonalen Instanzen

Ausweitung der Massnahmen für Erwachsene

Personen mit gesundheitlichen und insbesondere psychischen Beeinträchtigungen brauchen Unterstützung, damit sie im Arbeitsleben verbleiben oder Eingliederungsmassnahmen erfolgreich abschliessen können. Um dieses Ziel zu erreichen, hat die IV einige bestehende Massnahmen ausgeweitet und neue Massnahmen eingeführt:

  • Eingliederungsorientierte Beratung: bereits vor Geltendmachung eines Leistungsanspruchs möglich
  • Früherfassung: wenn von einer länger dauernden Arbeitsunfähigkeit bedroht
  • Beratung und Begleitung: vor, während und bis zu drei Jahre nach Beendigung der letzten Massnahme
  • Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung: abgestimmt auf individuelle Bedürfnisse; mehrmalige Zusprache möglich; Beitrag an Arbeitgebende; Coaching-Leistungen
  • Personalverleih: sammeln von zusätzlicher beruflicher Erfahrung um Beschäftigungschancen zu erhöhen
  • Taggelder der Arbeitslosenversicherung: verlängert auf 180 Tage (Höchstdauer) nach Ablauf des Rentenanspruchs
  • Unfalldeckung während einer Eingliederungsmassnahme: über die IV oder den Arbeitgebenden

Einführung des stufenlosen Rentensystems

  • Damit der Anreiz besteht, die Erwerbstätigkeit zu erhöhen, wird für Neurenten ein stufenloses System eingeführt. Im bisherigen Rentensystem mit vier Stufen ist es für viele IV-Rentnerinnen und -Rentner nicht attraktiv, mehr zu arbeiten, weil sich wegen Schwelleneffekten ihr verfügbares Einkommen nicht erhöht.
  • Der Invaliditätsgrad bestimmt, wie hoch der Rentenanspruch ist.
  • Anspruch auf eine Rente entsteht wie schon heute ab einem IV-Grad von 40 Prozent, eine ganze Rente wird weiterhin ab einem Invaliditätsgrad von 70 Prozent ausgerichtet.
  • Laufende Renten werden neu berechnet, wenn sich der Invaliditätsgrad bei einer Revision um mindestens 5 Prozentpunkte ändert und wenn die versicherte Person bei Inkrafttreten der Gesetzesänderung noch nicht 55-jährig war. Die Renten von Versicherten unter 30 Jahren werden spätestens bis Ende 2031 ins stufenlose System überführt, sofern die Anpassung nicht schon früher aufgrund einer Revision erfolgte.

Mehr Transparenz und Qualität bei medizinischen Begutachtungen

Verschiedene neue Instrumente sollen die Transparenz und die Qualität der medizinischen Gutachten verbessern.

  • Neu werden auch die bidisziplinären Gutachten von den IV-Stellen über die schweizweite Online-Plattform vergeben.
  • Die Transparenz erhöhen soll eine auf der Website veröffentlichte Liste mit Informationen über die von der IV beauftragten Sachverständigen für monodisziplinäre Gutachten.
    Die IV-Stelle Solothurn publiziert bereits heute eine Liste mit den externen Gutachtern.
  • Das Interview der Gutachterin oder des Gutachters mit den versicherten Personen wird aufgezeichnet.  
  • Alle Interviews zwischen den Sachverständigen und der versicherten Person werden mittels Tonaufnahme erfasst und im IV-Dossier aufbewahrt.

Für ausführlichere Informationen beachten Sie das Merkblatt «Weiterentwicklung der IV (WEIV): Neuerungen» (PDF).

Öffnungszeiten über Weihnachten/Neujahr

Die IV-Stelle Solothurn ist vom 27.12.2022 bis 02.01.2023 geschlossen. Gerne sind wir ab Dienstag, 03.01.2023 wieder für Ihre Anliegen da - täglich von 08:30 - 11:30 und 13:30 - 16:30 Uhr.

Wir wünschen Ihnen und Ihren Angehörigen schöne Festtage und ein glückliches neues Jahr.